Mit insgesamt 4.052 zu betreuenden Pflegetieren aus 193 Arten, wurde zum zweiten Mal die 4.000er-Marke seit Bestehen des Zentrums überschritten“, berichtet Bärbel Rogoschik. Ein möglicher Grund ist mit hoher Wahrscheinlichkeit in dem Hochwasserereignis 2023/2024 zu suchen. Hierdurch wurden nicht nur Bodenlebewesen direkt betroffen (Ertrinken, Unterkühlung), sondern auch indirekt durch u.a. Verlust ihrer Lebensräume bzw. durch den Verlust von Nahrungsressourcen, wie Insekten und Mäuse.
Die heimischen Vögel bilden stets, so auch 2024, die größte Pflegetiergruppe mit 2.749 Individuen in diesem Jahr, in 93 Arten. Zahlenmäßig wird diese Gruppe von Haussperlingen (325), Amseln (231) und Mauerseglern (161) angeführt. Sehr negativ hat sich auf den Amselbestand das Usutu-Virus ausgewirkt, dass in ganz Niedersachsen zu einer hohen Mortalität bei dieser Vogelart geführt hat. Die Anzahl der aufgenommenen Greifvögel lag mit 177 Tieren in neun Arten über dem Durchschnitt. Unter ihnen befanden sich viele Turmfalken (92) und Mäusebussarde (47), was bei der wasserbedingten Mäuseknappheit kein Wunder war. Ebenso schlecht erging es zahlreichen Eulen (52), die als Mäusejäger ihrem Nachwuchs nicht aller Orten gerecht werden konnten.
Auch die Zahl der ins Zentrum eingelieferten Weißstörche stieg auf 52 gepflegter Exemplare an, wovon über die Hälfte als Jungstörche mit schlechten Allgemeinzustand das Zentrum erreichte. „Steigt die Zahl der Weißstörche seit vielen Jahren an, so stagniert die Zahl der Schwarzstörche mit 50 bis 60 Brutpaaren auf einem schlechten Wert“, erklärt Joachim Neumann. „Umso erfreulicher ist es, dass durch den Einsatz von Nestkameras vier junge Schwarzstörche gerettet werden konnten. Leider kann man dies von einem adulten Tier aus dem Harz nicht sagen, der komplett abgemagert mit einem halben Oberschnabel gefunden wurde“.
Einen absoluten Höchststand gibt es von den Säugetieren zu vermelden. Mit 768 Tieren (26 Arten) wurde der bisherige Höchststand erreicht. So wurden allein 501 Igel aufgenommen. Bereits im vergangenen Jahr wurde bei der Erstellung der Jahresbilanz die Vermutung geäußert, dass die schon zu dieser Zeit vorhandenen Hochwasser für den Igel zu einem Problem werden könnten. Nachdem sich auch das Jahr 2024 als ein Jahr mit überdurchschnittlichem Niederschlag erwies, ist in Anbetracht der hohen Zahl an in Not geratenen Igeln anzunehmen, dass sich diese Vermutung bewahrheitet hat. Hierbei ist denkbar, dass sich zum einen die ohnehin schon schlechte Nahrungsgrundlage (Insekten) in diesem Jahr besonders schwach entwickelt hat und zum anderen, dass sich die hohe Feuchtigkeit negativ auf die Gesamtkonstitution zahlreicher Individuen ausgewirkt hat. Nicht wenige Tiere werden von aufsteigender Bodennässe in der Winterruhe überrascht worden sein.
Die Gruppe der Reptilien (und Amphibien) bewegte sich mit 289 versorgten Tieren aus 47 Arten weiterhin auf hohem Niveau. In Bezug auf ausgewählte Artengruppen, wie Schlangen und Echsen, mussten mehrere behördliche Aufnahmeanfragen abgelehnt oder weitervermittelt werden, da die Aufnahmekapazitäten ausgeschöpft waren. Besser gestaltete sich die Lage bei den Landschildkröten, wo zahlreiche Tiere aufgenommen, im Gegenzug aber auch 42 Tiere in seriöse Haltungen weitervermittelt werden konnten. Leider wurden und werden die freiwerdenden Plätze immer wieder rasch durch neue Exemplare besetzt.
Woher kommen die Tiere und aus welchem Grund
Die meisten Tiere, 1.148 an der Zahl, wurden aus dem Landkreis Gifhorn eingeliefert. Danach folgen die Stad Braunschweig mit 549 Exemplaren und der Landkreis Peine mit 483 Pfleglingen, vor Hannover mit 353 und Wolfsburg mit 284 Tieren. Insgesamt stammen die aufgenommenen Tiere aus 52 Landkreisen oder kreisfreien Städten aus neun Bundesländern oder Stadtstaaten.
Wie in jedem Jahr, stellen die verwaisten Tiere mit 1.724 Exemplaren die größte Gruppe der Pfleglinge, was als Hinweis auf eine schlechte Nahrungsgrundlage gewertet werden kann. Danach folgt mit 713 Kollisionsopfern, meist durch Kraftfahrzeuge oder Scheibenanflug, die ursachenmäßig zweitstärkste Gruppe. Krankheitsbedingte oder parasitäre Probleme (277) bilden die nächste Gruppe gefolgt von Verletzungen durch andere Tiere (229), meist Hauskatzen. Zivilisationsopfer (169), abgesehen von den Kollisionsopfern und diversen Waisen in den ersten Kategorien, werden in der folgenden Gruppe extra aufgeführt, die durch menschliches Handeln zu Schaden kommen. Die Aufnahme entlaufener bzw. ausgesetzter exotischer Tiere im Zentrum (158) entspricht nicht den realen Zahlen, da nur ein Bruchteil der Tiere gefunden und auch nicht alle Tiere dieser Kategorie aufgenommen werden können. Von Behörden eingezogen wurden 101 Individuen, die aus unterschiedlichen Gründen nicht beim Halter belassen werden konnten.
Veranstaltungen und Storchenfest am 27. April 2025
Im Jahr 2024 wurden im NABU-Artenschutzzentrum insgesamt 93 Veranstaltungen durchgeführt. Insgesamt nahmen daran 1.361 Personen (891 Kinder und 495 Erwachsene) teil. Hinzu kommen noch ca. 4.000 Personen beim Storchenfest 2024.
„Das Storchenfest, als Höhepunkt des Jahres, findet 2025 am Sonntag, den 27. April von 11.00 Uhr bis 17.00 Uhr statt“, berichtet Uwe-Peter Lestin, Vorsitzender des Förderkreises des NABU-Artenschutzzentrum. „Wir freuen uns wieder auf hoffentlich viele interessierte Besucher, die den Weg, am besten mit dem Fahrrad, nach Leiferde finden“.